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Date 11/21/2008
 
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Die Pyramide steht Kopf von Roland Tichy, Andrea Tichy

Die Pyramide steht Kopf

Die Wirtschaft in der Altersfalle und wie sie ihr entkommt ist dieses aufrüttelnde Buch der beiden Wirtschaftsjournalisten Andrea und Roland Tichy über die Vergreisung unserer Gesellschaft untertitelt -- und verbreitet damit eigentlich schon zu viel Optimismus. Denn unsere Lage ist, demografisch betrachtet, nicht nur ernst. Sie ist dramatisch! Ach was, schlimmer: im Grunde hoffnungslos! Die so genannte Alterspyramide (die grafische Darstellung der Altersverteilung in einer "gesunden" Gesellschaft, mit vielen Jungen, vergleichsweise weniger Älteren und noch weniger Alten) steht Kopf. Das ist heute für das gesetzliche Kranken- und Rentenversicherungssystem bereits ein massives Problem. Und wenn die heute 40-Jährigen dereinst ihre über Jahrzehnte erworbenen Rentenansprüche geltend machen werden, wird das Geld in der Rentenkasse dafür nicht mehr reichen. Das ist seit langem bekannt. Doch wird an den Symptomen ebenso lange auf unterschiedlichem Niveau lediglich herumdilettiert, zur Therapie fehlt dem politischen System schlichtweg die Kraft. Wer glaubt, dass die heute favorisierten Modelle der privaten Vorsorge hier wirklich Abhilfe schaffen können, wird von den Autoren überzeugend eines besseren belehrt.

Und die Kraft der Wirtschaft, das seit den entscheidenden Weichenstellungen der Adenauer-Zeit fortwährende langzeitperspektivische politische Versagen irgendwie zu kompensieren, wird in Zukunft in zunehmendem Tempo schwinden, eben weil die Gesellschaft nicht nur altert, sondern im gleichen Maße schwindet. Die Deutschen (und überhaupt die Europäer) kriegen schon seit Jahren nicht zuletzt deshalb immer weniger Kinder, weil diese ein erhebliches Verarmungsrisiko darstellen. Zumal dann, wenn die zu erbringenden Transferleistungen zu Gunsten der (in Zukunft dann immer häufiger kinderlosen) Alten beständig zunehmen.

Den im Untertitel angedeuteten Ausweg aus diesem bevölkerungspolitischen Dilemma sehen die Autoren im Wesentlichen in einer verstärkten Zuwanderung. Doch so nötig eine qualifizierte Zuwanderungspolitik auch ist, die aus der jahrzehntelangen bevölkerungspolitischen Tatenlosigkeit resultierenden Probleme lassen sich damit bestenfalls ein wenig lindern. Davon aber, dass wir uns damit aus der Altersfalle befreien könnten, kann leider keine Rede sein! Dies hat zuletzt Dieter Birg (einer von gerade einmal vier Lehrstuhlinhabern für Demografie in Deutschland) in seiner Studie Die demographische Zeitenwende belegt. Nein, nein: Nur nicht zu viel Hoffnung! Wir müssen uns darauf gefasst machen, die Zeche zu zahlen. Das heißt (unter anderem) für geringere (Renten-)Ansprüche mehr und länger zu arbeiten. Zu diesem Ergebnis kommen auch Roland und Andrea Tichy, deren Buch, auch wenn es den vom Untertitel versprochenen Ausweg schuldig bleibt, unbedingt große Aufmerksamkeit zu wünschen ist.



 

 

 

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