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Date 11/21/2008
 
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Der Herausforderung der Überalterung rechtzeitig begegnen

Der Herausforderung der Überalterung rechtzeitig begegnen: einige erfolgreiche strategische Reaktionen

Die Herausforderung der Überalterung in der EU – einige Zahlen:

Das Phänomen der Überalterung ist nicht auf ältere Arbeitnehmer und Rentner beschränkt. Die europäische Bevölkerungsstruktur ist im Wandel begriffen. Die Überalterung betrifft die gesamte Gesellschaft und sie wirkt sich auf alle Generationen aus. Nachstehend Erläuterungen:

Die Anzahl älterer Arbeitnehmer (zwischen 55 und 64) wird sich zwischen 2005 und 2030 um 14 Millionen erhöhen.

Die Anzahl von Menschen über 80 wird von heute 19 Millionen auf 34 Millionen im Jahre 2030 ansteigen.

Die Bevölkerung der EU im arbeitsfähigen Alter (15-64 Jahre) insgesamt wird von 2005 bis 2030 um 20 Millionen zurückgehen.

Prognosen zur Entwicklung der EU-Bevölkerung 2005-2050
(in Tausend)





 
2005-2050
2005-2010
2010-2030
2030-2050

Gesamtbevölkerung
-8659
5563
5312
-19534

 
-1,9 %
1,2 %
1,1 %
4,2 %

Kinder (0-14)
-13811
-2304
-6080
-5427

 
-18,6 %
-3,1 %
-8,5 %
-8,2 %

Jugendliche (15-24)
-14035
-2383
-6663
-4990

 
-24,3 %
-4,1 %
-12,0 %
-10,2 %

Junge Erwachsene (25-39)
-24867
-3896
-14883
-6088

 
-25,0 %
-3,9 %
-15,6 %
-7,5 %

Erwachsene (40-54)
-18666
4116
-10029
-12754

 
-19,0 %
4,1 %
-9,8 %
-13,8 %

Ältere Arbeitnehmer (55-64)
4721
4973
8717
-8969

 
9,1 %
9,5 %
15,3 %
-13,6 %

Alte Menschen (65-79)
25688
1947
22281
1460

 
44,5 %
3,4 %
37,3 %
1,8 %

Pflegebedürftige alte Menschen (80+)
32311
3109
11969
17233

 
171,6 %
16,5 %
54,0 %
50,8 %

Quelle: EUROSTAT, 2004





Die Überalterung geht auf drei Faktoren zurück:

  • einen erheblichen Rückgang der Fruchtbarkeitsrate
  • einen beträchtlichen Anstieg der Lebenserwartung
  • das Altern der Generation der Babyboomer

Europas Bevölkerung stagniert und ihr Rückgang ist vorherzusehen:

Die Gesamtbevölkerung der EU wird in den nächsten 20 Jahren sehr leicht ansteigen und dann anfangen zurückzugehen. Ansteigen wird sie:

  • von 458 Millionen Einwohnern im Jahr 2005 auf 469,5 Millionen im Jahre 2025 (+ 2 %),
  • und dann zurückgehen auf 468,7 Millionen im Jahr 2030.

(Im Vergleich hierzu wird die US-Bevölkerung zwischen 2000 und 2025 um 25,6 % wachsen.)

Die Bevölkerung einiger Mitgliedstaaten nimmt bereits jetzt ab:

  • Ungarn, Lettland, Litauen, Estland, Slowakei, Tschechische Republik
  • Bei den sechs bevölkerungsreichsten EU-Mitgliedstaaten wird es nur im Vereinigten Königreich und in Frankreich zwischen 2005 und 2050 zu einem Bevölkerungsanstieg kommen (bei der Bevölkerung des Vereinigten Königreichs wird eine Zunahme von 8 % prognostiziert und bei der französischen Bevölkerung von 9,6 %).

In einigen Ländern wird jedoch der Rückgang der Geburtenrate durch Einwanderung ausgeglichen (DE, IT, SP).

Was können die Mitgliedstaaten tun, um die sich bietende Gelegenheit zu nutzen, dass sich die Auswirkungen der Überalterung vorübergehend verringern?

Zwar wird mittelfristig die Zahl der Personen im arbeitsfähigen Alter in der EU zurückgehen, die Zahl der Beschäftigten steigt jedoch derzeit (dank einer allgemeinen Zunahme der Zahl älterer Arbeitnehmer und einer höheren Erwerbsbeteiligung der Frauen). Dadurch erhalten die Mitgliedstaaten Gelegenheit – und auch etwas Zeit –, um ihre Maßnahmen an die neue Realität der Überalterung anzupassen. Nachstehend folgen einige Beispiele für ein erfolgreiches Vorgehen, die die fünf in der heutigen Mitteilung festgelegten Politikbereiche abdecken. Die jeweiligen Maßnahmen funktionieren in den betreffenden Mitgliedstaaten einwandfrei; die Beispiele könnten bei weiterer Verbreitung anderen Ländern dazu verhelfen, die Auswirkungen der Überalterung in den Griff zu bekommen.

1. Demografische Erneuerung

Hintergrund:

Die durchschnittliche Gesamtfruchtbarkeitsrate für die EU der 25 betrug 1,5 im Jahre 2004. Die Länder mit den besten Ergebnissen sind IRL (1,99), FR (1,89) und SW (1,75).

Was ist unter „Gesamtfruchtbarkeitsrate“ zu verstehen?

Es handelt sich um die durchschnittliche Zahl der lebend geborenen Kinder, die eine Frau in ihrem Leben gebären würde, wenn sie in ihrer gesamten gebärfähigen Zeit die Fruchtbarkeitsrate der jeweiligen Altersgruppe aufgewiesen hätte und noch aufweisen würde.

Beispiele für bewährte Verfahren:

Frankreich und Schweden: Großzügige familienpolitische Maßnahmen und Maßnahmen zur Vereinbarung von Berufs- und Familienleben haben Frankreich und Schweden eine „annehmbar niedrige“ Fruchtbarkeitsrate verschafft. Sie liegt immer noch unter der Reproduktionsrate von 2,1, ist aber – im Verein mit einem gemäßigten Migrationsniveau – hoch genug, um einen Rückgang der Bevölkerung zu verhindern, jedoch nicht die Überalterung.

2. Mehr Arbeitsplätze guter Qualität für ältere Arbeitnehmer

Hintergrund:

Das Ziel der Lissabon-Strategie einer Beschäftigungsquote von 50 % und darüber für Arbeitnehmer zwischen 55 und 64 wurde 2005 erreicht von CY, PT, DK, ESTONIA, IRL, FIN, SW und VK. Die besten Ergebnisse erzielten SW (69,4), DK (59,5) und VK (56,9). Die meisten Mitgliedstaaten sind in die Reform ihrer Rentensysteme eingetreten; Faktoren, die einer längeren Lebensarbeitszeit entgegenstehen, sind abgebaut worden, wohingegen die entsprechenden Anreize verstärkt wurden. Die Verknüpfung zwischen Beiträgen und Leistungen wurde enger gezogen.

Beispiele für bewährte Verfahren:

  • In Dänemark: Der „Flexicurity“-Ansatz, der auf einem Mindestkündigungsschutz bei großzügigen Sozialleistungen beruht, wirkt sich so aus, dass derzeit zahlreiche Arbeitsplätze geschaffen werden, während das Rentenalter in Dänemark von 65 auf 67 Jahre ansteigen soll.
  • In den Niederlanden: Die Gesetzgebung, mit der Lohnkostenneutralität und Sozialversicherungsrechte für Teilzeit- und Leiharbeitnehmer gesichert werden sollen, hat zur Folge gehabt, dass zahlreiche neue Arbeitsplätze annehmbarer Qualität geschaffen wurden und ein Rekordtief bei der Arbeitslosigkeit erreicht worden ist, während Anreize für eine längere Lebensarbeitszeit verstärkt worden sind.
  • In Finnland: Die Unternehmen auferlegte Verpflichtung, Pläne für aktives Altern umzusetzen, anstatt Umstrukturierungen über Entlassungen und/oder ein sonstiges vorzeitiges Ausscheiden aus dem Erwerbsleben durchzuführen, hat positive Ergebnisse gezeitigt. Außerdem hat man durch die hauptsächlich im Zeitraum 2003-2005 vorgenommene Rentenreform Arbeitsanreize dadurch verstärkt, dass bei älteren Arbeitnehmern die Entstehung von Rentenanwartschaften erleichtert wurde und dass Frühverrentungsregelungen überarbeitet worden sind.

3. Höhere Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit

Hintergrund:

Investitionen in F&E kommt zunehmend Bedeutung zu, um Produktivitätswachstum und Wettbewerbsfähigkeit für die Zukunft zu sichern. Die durchschnittlichen Bruttoinlandsinvestitionen in F&E in der EU der 25 als Prozentsatz des BIP erreichten 1,86 % im Jahre 2004. Am besten schnitten DE (2,58), DK (2,49), FI (3,5) und SW (3,7) ab.

Beispiele für bewährte Verfahren:

  • Deutschland ist eines der weltweit führenden Exportländer dank einer langen Tradition der Produktentwicklung auf der Grundlage von F&E.
  • Durch die Anpassung an die zukünftige Nachfrage einer steigenden Zahl älterer Menschen werden in den globalen Märkten neue Möglichkeiten geschaffen. Das regionale Netz SEN@t arbeitet unter Führung von Nordrhein-Westfalen daran, Nachfrage und Angebot bei neuen alterungsbezogenen Produkten und Dienstleistungen zu explorieren und zu stimulieren, und den neuen Wirtschaftssektor für ältere Menschen zu nutzen.
  • Das VK verfügt über ein System Offener Universitäten hoher Qualität, das Möglichkeiten für das lebenslange Lernen und den zweiten Bildungsweg bietet.
  • Irland hat umfassende Investitionen in ein Bildungssystem hoher Qualität getätigt, was dazu beigetragen hat, solide Fundamente für den derzeitigen Wirtschaftsboom zu legen.

4. Tragfähigkeit der öffentlichen Finanzen

Hintergrund:

Bei der Reform der Rentensysteme sind in den letzten Jahren beachtliche Fortschritte erzielt und die Entwicklung der gestiegenen Lebenserwartung ist in diesen Systemen stärker berücksichtigt worden. Darüber hinaus ist die Bereitstellung von Zusatzrenten gefördert worden und man hat die begleitenden Rechtsrahmen weiterentwickelt und verbessert.

Einige Mitgliedstaaten sind auch das Problem der Altersarmut angegangen, indem sie garantierte Mindestrenten angehoben haben. Durch Reformen sind Fortschritte bei drei Schlüsselzielsetzungen der EU erreicht worden: ein angemessenes Renteneinkommen bieten, finanzielle Tragfähigkeit gewährleisten und die Systeme an den Wandel bei arbeitsmarktbezogenen und gesellschaftlichen Bedingungen anpassen.

Der Stand der Staatsverschuldung als Prozentsatz des BIP ist ein nützlicher Indikator bei der Untersuchung der Zukunftsfähigkeit von Dienstleistungen, die mit der Herausforderung der Überalterung in Verbindung stehen, wie z. B. Renten, Gesundheitsversorgungs- und Langzeitpflegeleistungen usw.

Der durchschnittliche Stand der Staatsverschuldung als Prozentsatz des BIP in der EU der 25 belief sich im Jahre 2005 auf 63,4 %. Am besten schnitten Estland (6,2), LU (6,2) und LA (11,9) ab, am schlechtesten GR (107,5), IT (106,4) und BE (93,3).

Beispiele für bewährte Verfahren:

  • Österreich: Die Reformen von 2004 und 2005 sind ein wichtiger Schritt in Richtung auf ein tragfähigeres Rentensystem gewesen, und zwar durch eine engere Verknüpfung zwischen Beiträgen und Leistungen sowie eine Erhöhung der Zahl der Beitragsjahre, die für eine volle Rente erforderlich sind. Die Anreize für eine längere Lebensarbeitszeit wurden ebenfalls verstärkt und die Anreize für eine Frühverrentung durch ein so genanntes Bonus/Malus-System abgebaut. Dadurch werden auch ein sehr viel einheitlicheres Rentensystem für den gesamten öffentlichen und privaten Sektor und außerdem die Indexierung der Renten anhand der Preise von 2006 eingeführt.
  • Finnland: Als Reaktion auf ein zukünftiges Ansteigen der Lebenserwartung hat man eine Reihe von Reformen konzipiert, um die Rentensysteme durch automatische Anpassungsmechanismen zu stabilisieren (wie in SE, FI, PL oder LV) oder durch vorgeschriebene Überprüfungen und Anpassungen (wie in AT, IT oder FR), bei denen Änderungen bei der Lebenserwartung berücksichtigt werden. So hat zum Beispiel Finnland einen „Lebenszeit-Koeffizienten“ mit dem Effekt eingeführt, zukünftige Renten an eine Steigerung der Lebenserwartung anzupassen.

5. Migration und Integration

Hintergrund:

Die Mitteilung fördert die Entwicklung einer gemeinsamen Politik der legalen Immigration, die auf Bedürfnissen des Arbeitsmarktes im Verein mit einer soliden Partnerschaft mit den Emigrationsländern beruht.

Was die Freizügigkeit innerhalb der EU der 25 anbelangt, so sind alle Beschränkungen bis 2011 aufzuheben. Im Bereich der externen Immigration beabsichtigt die Kommission, eine Mitteilung über die Koordinierung der entsprechenden Maßnahmen im Jahr 2009 zu veröffentlichen.

Derzeit verhindert die Immigration bereits einen Rückgang der Bevölkerung und trägt in einigen Mitgliedstaaten zum Wirtschaftswachstum bei.

Beispiele:

  • In Spanien: Der kürzlich verzeichnete Zustrom von Wanderarbeitnehmern in Spanien hat das Volumen der Lohnsteuern stark erhöht, was seinerseits ermöglicht hat, dass deren Sozialversicherungssystem nicht defizitär geworden ist.
  • In Irland und im VK: Eine umfangreiche Migration aus den neuen Mitgliedstaaten nach Irland und in das Vereinigte Königreich nach der Erweiterung der EU im Jahr 2004 hat dazu beigetragen, Engpässe auf dem Arbeitsmarkt zu verringern und das Wirtschaftswachstum

 

 

 

 

 


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