Absatzchancen ohne Barrieren - Die Sanitärindustrie steht
vor einem Trendwechsel. Wie bereits vor einigen Jahren vorhergesagt, setzt
sich der ältere Konsument mit seinen gehobenen Ansprüchen doch allmählich
in der Gunst des Marketings durch.
Modell-Innovationen und Design-Ideen für die 50plus-Generation werden
von vielen Marktführern in der "Erlebniswelt Bad" auf der ISH
in Frankfurt (15. bis 19. März 05) gezeigt. Auf der bevorstehenden Messe
wird damit ein in Europa noch weitgehend unbekanntes Produktsegment eingeführt.
Die "Best Agers" gelten als sowohl konsumfreudige wie auch zahlungskräftige
Kunden, denn die Generation der 50- bis 60-Jährigen hat im Durchschnitt
mit 2100 Euro/Monat rund 600 Euro mehr zur Verfügung als der durchschnittliche
Familienhaushalt mit Kindern unter 17 Jahren. Auch im Rentenalter können ältere
Ehepaare laut einer Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung
(DIW) mit einem Haushaltseinkommen von 1700 Euro rechnen.
Hinzu kommt, dass ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung kontinuierlich
steigt; nach Schätzungen des Statistischen Bundesamtes wird bis 2050 jeder
zweite Deutsche über 50 Jahre alt sein. Auch weltweit steigt in den Wohlstands-
und Industriegesellschaften der Altersdurchschnitt.
Immer mehr Produzenten von Badezimmerausstattungen richten daher ihren Zielgruppenfokus
auf die Bedürfnisse der über 50-Jährigen. Doch hier ist mit
besonderen Problemen bei Ansprache, Beratung und Produktgestaltung zu rechnen.
Eine zukunftstaugliche Badplanung für ältere Kunden darf die Themen
Altersgebrechlichkeit und Bewegungseinschränkung durch Krankheiten nicht
ausblenden.
Wirklich behindertentaugliche Spezialprodukte findet man daher kaum im Sortiment
der großen Marken. Vielmehr sind es besonders bedienungsfreundliche Produkte
und traditionelle Gestaltungselemente, die auf die Gunst der Best Ager abzielen.
Es dürfte allerdings nicht mehr lange dauern, bis sich auch Stardesigner
und namhafte Architekten diesem Thema widmen werden. Bis dahin ist die altersgerechte
Badausstattung ein Thema vor allem für die kreative Badplanung. Dieses
Segment ist beratungsintensiv und bietet damit für die Vertriebspartner
der Industrie - den Handel und das Handwerk - große Chancen zur Profilierung.
Schon bei der Planung sollte Wert darauf gelegt werden, eine nachträgliche
Anpassung an zeitweilige oder auch andauernde Handicaps auch ohne großen
Aufwand vornehmen zu können. Die wichtigsten Voraussetzungen hierfür
sind ein ausreichendes Raumangebot, breite Durchgänge und der Verzicht
auf zu große Verbauungen. Auch technische Module in Vorwandinstallationsbauweise
erleichtern eine Nachrüstung.
Optischer wie praktischer Gewinn sind notwendige Accessoires wie stabile und
lange Handtuchhalter, die sich stilistisch anpassen - etwa in Form einer Reling
- und sich auch als Haltegriff eignen. Die Marke Hewi ist hier nicht der einzige
Anbieter; immer mehr Armaturenhersteller - z.B. sam oder Keuco - statten ihre
Produkte mit einem solchen Mehrfachnutzen aus. Im Armaturenbereich haben sich
die im öffentlichen Bereich etablierten berührungslosen Armaturen
für die Nutzung auch im Privatbereich bewährt.
Der bodenebene Einbau von Duschen schließlich erhöht nicht nur
die Mobilität, sondern ist auch ein optischer Gewinn. Barrierefreie Duschen
werden bei Verwendung von vorgefertigten Bauelementen, wie sie etwa von Illbruck
und Wedi angeboten werden, zur individuellen Note.
Überhaupt kommt der immer noch dominante Trend zur minimalistischen Einrichtung
und zum XXL-Duschen, aber auch der zunehmende Wunsch nach Integration des Bades
in den Wohnraum einer altersgerechten Badeinrichtung entgegen. Die Industrie
hält hier Lösungen parat, die sowohl luxuriöse Ausstattungsfeatures
wie Seiten- und Tellerbrausen, Duschpaneels und Wasserfallsimulation enthalten,
wie auch Kombiprodukte von Dusche und Dampfbad, mit oder ohne zusätzliche
Programme von Infrarot- und Wärmeanwendungen bis zur Lichttherapie. Schonendere
Alternativen lösen dabei die alte Saunakultur mehr und mehr ab.
Wellness ist ein Trendmotiv, das bei vielen älteren Kunden den Anstoß zu
einer Neugestaltung des Bades gibt. Marken wie Duscholux, Koralle, Hoesch oder
auch Hansgrohe mit seiner Wellnessmarke Pharo bieten eine meist auch in gestalterischer
Hinsicht überzeugende breite Auswahl.
Auch Innovationen im Bereich der klassischen Badausstattung stoßen
bei 50plus-Konsumenten auf großes Interesse, wenn sie Bequemlichkeit
und Hygiene steigern - auf beides legen die Best Ager besonderen Wert. In den
USA und den asiatischen Märkten bereits etabliert, dürften Komfortprodukte
für die tägliche Hygiene wie das WC mit beheizbarer Sitzfläche
oder mit integrierter Intimspülung - zum Beispiel von Geberit angeboten
- in Europa einen Nachholbedarf wecken.