Einem neuen Bericht der Europäischen Kommission zufolge haben in den letzten drei Jahren
im Erwerb von Internetkompetenz die Frauen die Männer überholt. Auch
immer mehr über 55-Jährige eignen sich Computerfertigkeiten an. Es
ist damit zu rechnen, dass dieser Trend sich fortsetzt. Niedriggebildete und
Niedrigverdiener können dagegen dem Tempo nicht folgen, und dies mindert
ihre Fähigkeit, neue Chancen wahrzunehmen. Bildung, Alter und Einkommen,
so der Bericht, determinieren nach wie vor die Computerkompetenz am stärksten.
Der Bericht kommt zu dem Schluss, dass Computerfertigkeiten den Menschen helfen
können, der Armut zu entgehen. Es werden jedoch mehr Informationen, vor
allem aus nationalen Quellen, benötigt, um Maßnahmen, die den Zugang
zur Informationsgesellschaft erleichtern, gezielter auszurichten. Wenn man hier
nicht tätig wird, dann besteht die Gefahr, dass die Kluft zwischen den
digital Kompetenten (eIncluded) und den digital Ausgegrenzten (eExcluded) sich
weiter vertieft.
Ohne den Erwerb von Computerfertigkeiten verschlechtert sich die Situation
von Armen und Langzeitarbeitslosen immer mehr: sie werden zu digital Ausgegrenzten.
An ihre Studie aus dem Jahr 2001 anknüpfend kommt die Kommission in dem
Bericht zu dem Schluss, dass digitale und soziale Teilhabe offenbar „in
einer zunehmend technisierten Gesellschaft eng miteinander gekoppelt sind“.
Der Bericht „eInclusion revisited: the local dimension of the Information
Society“ kommt zu dem Ergebnis, dass Bildung eine zwingende Voraussetzung
ist, um zu den „eIncluded“ zu gehören: „Die Intensität
der Internetnutzung ist offenbar eindeutig abhängig vom Bildungsniveau
und vom beruflichen Status.“
Die Nutzung des Internet setzt Grundfertigkeiten, wie etwa Lesefähigkeit,
voraus. Die Internetinhalte sind zu einem großen Teil auf die höher
Gebildeten ausgerichtet. Laut Bericht kam es vor, dass Personen, die einen Computerlehrgang
begannen, ihren Kurs abbrachen, als sie feststellten, dass die Inhalte sie nicht
interessierten.
Die meisten eInclusion-Initiativen laufen auf lokaler Ebene. Der Bericht beschreibt
zum Beispiel ein gemeinsames Projekt der italienischen Stadtgemeinde von Rom
und Microsoft, in dem über 60-Jährige ermutigt wurden, online zu gehen,
um der Einsamkeit zu entkommen.
Die hohen PC-Anschaffungskosten sind eines der Hindernisse, die einer Verringerung
der digitalen Kluft entgegenstehen. Ein schwer wiegendes Problem ist dies vor
allem in den neuen Mitgliedstaaten. Hauptgrund für Internetabstinenz in
der gesamten EU ist, dass zu Hause kein PC zur Verfügung steht.
In der EU15 betrug die Internetdichte, bezogen auf die Bevölkerungszahl,
43,5 %. Sie ging nach der Erweiterung auf 25 Staaten auf 41,4 % zurück.
In den neuen Mitgliedstaaten insgesamt nutzen jedoch mehr als 25 % der Einwohner
das Internet – eine Quote, die über der in Griechenland und Portugal
liegt. Estland mit 44 % und Slowenien mit 41,7 % lassen die meisten der EU15-Staaten
hinter sich.
In abgelegenen und/oder ländlichen Gebieten der EU mangelt es nach wie
vor oft an Internet-Basisverbindungen. Außerdem werden neue Technologien
langsamer assimiliert, was die digitale Kluft zwischen Land- und Stadtgebieten
weiter wachsen lässt.
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