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Aufklärung hilft Depressionen erkennen und Suizide vermeiden

Bayernweites Fortbildungsprojekt für Altenpflegekräfte sehr erfolgreich: Staatssekretärin und Vorstandsvorsitzender des "Bündnisses gegen Depression" stellen Ergebnisse vor

Bayern ist einen entscheidenden Schritt weiter in der frühzeitigen Diagnose von Depressionen bei alten Menschen. Mit einem landesweiten Fortbildungsprogramm für Altenpflegekräfte haben das Bündnis gegen Depression und das Bayerische Gesundheitsministerium den Boden dafür bereitet. Gesundheitsstaatssekretärin Emilia Müller und der Vorstandsvorsitzende des Bündnisses Prof. Dr. Ulrich Hegerl, Psychiater an der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Ludwig-Maximilians-Universität München, zogen eine erste Bilanz. "5.000 Altenpflegekräfte wurden durch das Pilotprojekt erreicht. Diese sind jetzt sensibilisiert, Depressionen früher zu erkennen. Auf diese Weise können sie Suizide bei alten Menschen vermeiden helfen. Denn Depressionen gelten als Hauptursache für Suizide. Werden Depressionen rechtzeitig erkannt, sind sie gut behandelbar", betonte Müller. 40 Prozent aller Suizide werden von Menschen über 60 Jahren verübt; deutlich erhöht ist das Suizidrisiko bei alten Männern. Im Jahr 2003 haben insgesamt 1822 Menschen in Bayern den Freitod gesucht.

Wie wiederholte Befragungen bestätigten, konnte das Fachwissen der Altenpflegekräfte dauerhaft erweitert werden. „Diese Form der Edukation kann damit als geeignete Interventionsmaßnahme zur Primär-Prävention von Depression und Suizidalität im Alter gesehen werden“ resümierte Prof. Dr. Hegerl und sprach sich für eine Fortsetzung des Programmes aus. In über 300 Alten- und Pflegeheimen haben Ärzte und Psychologen die Pflegekräfte vor Ort geschult. Fortbildungsinhalte waren Ursachen, Symptome, Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten der Altersdepression. Das Gesundheitsministerium hat das Projekt mit insgesamt etwa 270.000 Euro aus der bisherigen Gesundheitsinitiative "Bayern aktiv" unterstützt. Mittels standardisierter Fragebögen wurden die Teilnehmer direkt vor und direkt nach der vierstündigen Fortbildung zu ihrem Wissen und ihren Einstellungen befragt. Um Aufschluss über die langfristige Wirkung zu erlangen, wurde die Befragung zusätzlich drei Monate nach Abschluss der Schulung wiederholt.

„Entscheidend für die Motivation, aktiv zu werden ist sicherlich die Überzeugung der Behandelbarkeit der Erkrankung“ gibt Prof. Dr. Ulrich Hegerl zu bedenken. Wo keine Therapiemöglichkeiten gesehen werden, gibt es auch keinen Handlungsbedarf. Vor der Fortbildung waren nur rund 20 Prozent der Pflegekräfte der Meinung, dass eine Depression vom Arzt oder Psychotherapeuten sehr gut behandelt werden kann. Unmittelbar nach der Schulung stuften knapp 70 Prozent eine Depression als sehr gut behandelbare Erkrankung ein; drei Monate später war immer noch die Mehrheit dieser Meinung.


Neben der Psychotherapie ist die Therapie mit antidepressiv wirksamen Medikamenten die wichtigste Säule der Behandlung. Einen signifikanten Wissenszuwachs zeigen die Schulungsteilnehmer bezüglich ihrer Kenntnisse über die Pharmakotherapie: Vor der Fortbildung hielt nur knapp die Hälfte die Behandlung mit Antidepressiva für sehr geeignet, nach der Schulungsmaßnahme waren fast 90 Prozent dieser Ansicht. Aufgrund der Vorurteile gegenüber Antidepressiva wurde gefragt, wie abhängig diese Medikamente machen. Bei der ersten Befragung gaben fast 70 Prozent an, dass Antidepressiva abhängig machen – ein Vorurteil, das längst durch zahlreiche Studien widerlegt werden konnte. Nach der letzten Befragung bejahten nur noch 15 Prozent die Frage nach der Abhängigkeit.
Ist Suizidalität die Folge einer psychiatrischen Erkrankung? Studien in mehreren Ländern zeigen übereinstimmend, dass dies bei 90 Prozent aller Suizide der Fall ist. Nur gut ein Drittel der Pflegekräfte stimmte jedoch dieser Aussage vor der Fortbildung zu, nach der Fortbildung waren es signifikant mehr, nämlich 80 Prozent. Nach weiteren drei Monaten schloss sich noch die Hälfte aller der Meinung an. Suizidalität sollte den Betroffenen gegenüber offen und direkt angesprochen werden. Danach gefragt, gaben im Vorfeld mehr als die Hälfte der Teilnehmer an, dass sie dies für die beste Vorgehensweise hielten. Unmittelbar nach der Schulung stimmten mit fast alle Pflegekräfte dafür, drei Monate später schloss sich weiter der bei weitem größte Teil dieser Ansicht an.
Wie wirkt sich das Gelernte konkret auf die Rolle der Pflegekraft als Vermittler zwischen Arzt und Bewohner aus, wollten die Initiatoren wissen und fragten, wie oft die Teilnehmer den behandelnden Arzt seit der Fortbildung auf eine mögliche Depression hingewiesen haben. Fast doppelt so viele Pflegekräfte wie vor der Schulung haben den Arzt mindestens einmal auf einen Verdacht auf Depression hingewiesen. Ein mehr als deutliches Ergebnis, das zeigt, wie wichtig konsequente Fortbildung ist.

 

 

 


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