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Date 01/7/2009
 
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Studie der Volkssolidarität: Fehlende Arbeitsplätze verunsichern

Zukunftsängste, hohe Arbeitslosigkeit, Einkommensverluste und enttäuschte Hoffnungen aus der Wendezeit prägen die wirtschaftliche Situation der 50- bis 65-Jährigen in Ostdeutschland. Dies geht aus dem gestern in Berlin vorgestellten "Sozialreport 50+ 2005" (>> ReifeMärkte vom 09. Januar 2005) hervor.

Wegen fehlender Arbeit haben immer mehr ältere Ostdeutsche Zukunftsangst. Nur noch 41 Prozent der heute 50- bis unter 65-Jährigen hätten einen Job, fast eine Million Arbeitsplätze fehlten für diese Gruppe, sagte der Präsident des größten ostdeutschen Wohlfahrtsverbandes, Gunnar Winkler, am Montag in Berlin anlässlich der Präsentation des «Sozialreport 50+ 2005». 71 Prozent der 1358 Befragten wollen die DDR nicht wiederhaben, seien aber auch nicht voll in der Bundesrepublik angekommen.

Winkler wies Vorschläge zur Verlängerung der Lebensarbeitszeit über das 65. Lebensjahr hinaus zurück. Damit sollten nur Alterseinkommen begrenzt werden. «Diese Forderungen sind erst dann real, wenn für jeden Älteren, der es möchte, die Möglichkeiten zu arbeiten überhaupt vorhanden sind.» Derzeit seien 31 Prozent der 50- bis unter 65-Jährigen im Osten bereits in Rente oder Altersteilzeit. Mit den Regelungen des neuen Arbeitslosgeldes II werde die vorzeitige Berentung weiter vorangetrieben. 27 Prozent der insgesamt 2,7 Millionen Bürger dieser Altersgruppe seien arbeitslos.

Nach Ansicht des Präsidenten der Volkssolidarität sei die Gruppe die von den Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt am stärksten betroffene. Trotz hoher Qualifikationen habe die Mehrheit mindestens eine Weiterbildung oder Umschulung absolviert. Ein Großteil der älteren Ostdeutschen sei bereit, noch weitere «Verschlechterungen» ihrer Arbeitsverhältnisse hinzunehmen, um ihren Arbeitsplatz zu erhalten oder einen Job zu bekommen. Die so genannten 1-Euro-Jobs lehnte Winkler als «Einkommensdumping» ab.

Laut der Studie lag das durchschnittliche Nettoeinkommen der Altersgruppe 2004 bei 996 Euro. 15 Prozent hatten weniger als die Hälfte des Durchschnittseinkommens zur Verfügung und leben in Armut. Rund ein weiteres Drittel sei von Armut bedroht. Neben den «unzureichenden Erwerbsmöglichkeiten» werde noch immer gleiche Leistung in Ost und West nicht gleich entlohnt, kritisierte Winkler. Dennoch würden sich 79 Prozent mit Ostdeutschland identifizieren und sich der schwierigen Situation in der Region stellen.

Nur 13 Prozent der Befragten sehen sich als «richtige» Bundesbürger, hingegen wollen 14 Prozent die DDR wiederhaben. Diese Wünsche seien bei den Einkommensschwachen stärker ausgeprägt. «Die Haltung der Ostdeutschen ist keine nostalgische Rückerinnerung, sondern Reflexion unzureichender Integrationsbedingungen für alle», sagte Winkler. Sie sei nicht von einem Anspruchsdenken, sondern von Gerechtigkeitsempfinden geprägt. «Sie wenden sich gegen eine "privilegierte Partnerschaft" im vereinigten Deutschland, die Ungleichheiten rechtfertigt.»

Die Volkssolidarität hat als größter ostdeutscher Wohlfahrtsverband rund 380 000 Mitglieder in den neuen Ländern und setzt sich vor allem für die Interessen älterer Menschen ein. Dazu zählen Angebote für Pflege, Betreuung und Freizeitgestaltung, aber auch Kinder-, Jugend- und Familienhilfe. Der Verband feiert 2005 sein 60-jähriges Bestehen. Der «Sozialreport 50+» wird seit 1990 alle zwei Jahre im Auftrag der Volkssolidarität erstellt.

Weiterführende Materialien

  • Eine 19-seitige Zusammenfassung des " Sozialreport 50+ 2005 - Daten und Fakten zur sozialen Lage in den neuen Bundesländern" finden Sie hier als PDF-Dokument zum download.
  • Die Erklärung des Präsidenten, Prof. Gunnar Winkler, auf der Pressekonferenz finden Sie hier als PDF-Dokument zum download.
  • " Sozialreport 50+ 2005 - Daten und Fakten zur sozialen Lage in den neuen Bundesländern"
  • Erarbeitet im Auftrag der Volkssolidarität - Bundesverband e.V. durch Dr. habil. Hanna Haupt und Dr. Reinhard Liebscher Sozialwissenschaftliches Forschungszentrum Berlin-Brandenburg e.V.
    263 Seiten, 64 Tabellen, 102 Abbildungen

Die Publikation ist zum Preis von 18,80 Euro erhältlich über:
Sozialwissenschaftliches Forschungszentrum Berlin-Brandenburg e.V. (SFZ)
Köpenicker Straße 125
10179 Berlin
Telefon: (030) 28305560
Fax: (030) 28305561
Email: post@sfz-ev.de

 

 

 


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