Essen - Mehr als ein Drittel der Autokäufer in Deutschland wird im Jahre 2015 über 60 Jahre alt sein. Die Hersteller müssen sich daher auf deutlich veränderte Kundenwünsche einstellen. Doch die älteren Käufer wollen keineswegs ein "Rentner-Auto" haben. Das geht aus einer auf dem Internationalen Car-Symposium in Essen vorgestellten Studie hervor. Zu der Veranstaltung waren rund 500 Experten auf Initiative von Professor Ferdinand Dudenhöffer von der Fachhochschule Gelsenkirchen in die Ruhrmetropole gekommen.
Aufgrund ihres aktiven Freizeitverhaltens seien ältere Autofahrer neugierig auf neue Karosserieformen. Den Wagen-Typ für die Alten, also etwa die klassische Limousine, gäbe es nicht. Ein wesentlicher Teil der sportlichen Fahrzeuge wie der BMW Z4 oder Mercedes SL werde gern von Senioren chauffiert. Auch Smart oder die Mercedes A-Klasse sind laut der Studie keineswegs ausschließlich Fahrzeuge für die Jungen, sondern auch bei Älteren beliebt.
Anders sieht die Situation bei der Ausstattung aus. Hier müssen, so Experten, neue Fragen beantwortet werden. Erforderlich sind weitere Neuheiten, die etwa die verringerte Seh- und Hörfähigkeit, das langsamere Reaktionsvermögen und die eingeschränkte Bewegungsfähigkeit berücksichtigen. Dazu zählen Abstands-, Park- und Unfallsensoren, Müdigkeitsmesser, eine verbesserte Nachtsicht durch intelligentere Lichttechnik sowie breitere Einstiege und Servo-Türöffner.
Dabei orientieren sich die Rentner keineswegs an dem Motto "Geiz ist geil". Da gesellschaftliche Anerkennung und Bewunderung für Nicht-Berufstätige nicht mehr über den Job zu erreichen seien, würde die Käuferschicht einen Ausgleich über die Automarke wählen. Diese wird als Statussymbol für Senioren also wichtig.
Der Spagat zwischen kleinerem Finanzspielraum und dem Wunsch nach höherwertigen Mobilen wird durch längere Nutzung des Wagens kompensiert. Die niedrigeren Fahrleistungen sorgen dabei für ein längeres Autoleben. Dadurch wird der deutsche Auto-Markt langfristig schrumpfen: Für 2015 werden auf dem Pkw-Sektor rund 3,62 Millionen Neuzulassungen prognostiziert - mit rückläufiger Tendenz.